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| Kettelstorf - Nachrichten - Top-Thema - Großer Bericht Ausschnitt aus der Allgemeinen
Zeitung der Lüneburger Heide vom 02.10.1996:
kl Kettelstorf. Der Mann im blauen Overall ist außer sich vor Wut. Als die Motorsägen aufkreischen, rennt er in panischer Verzweiflung auf Horst M. zu, der die Szenen per Video festhält, schreit: "Du auch, jetzt bist du dran!" Er richtet die Waffe auch auf den Mann mit der Kamera und drückt ab. Das Videobild verwackelt. Chaos. Blauer Rauch liegt in der Luft. Wildwest in Kettelstorf. So endet eine gut zehn
Sekunden lange Videoaufnahme, die ausschnittsweise die
dramatischen Szenen eines Zwischenfalls wiedergibt, der
in dem Ort für Gesprächsstoff sorgt. Als der Schuß
gefallen ist, weiß der Videofilmer noch nicht, daß auf
ihn und andere Personen "nur" eine
Schreckschußpistole gerichtet war. Er rennt davon,
alarmiert die Polizei. High noon in Kettelstorf:
Der Grundeigentümer, ein Bauer aus dem Dorf, rückte um
kurz vor zwölf mit sechs Mann Verstärkung an, um auf
dem vermieteten Gartengrundstück
"Rückschnittarbeiten" auszuführen. Angeblich
notwendig für einen verbesserten Lichteinfall auf das
Haus, in dem Mieter S. Durchfeuchtungsschäden monierte.
Und deswegen auch das
Anrücken der insgesamt siebenköpfigen Mannschaft: Der
Baumschnitt sollte so angeblich möglichst schnell,
sauber und ohne Störungen für alle Betroffenen erledigt
werden. Ob die Aktion des Grundeigentümers dem Mieter
denn rechtzeitig angekündigt worden sei? Am Nachmittag
des Vortages, so erklärt die Ehefrau des Vermieters
gegenüber der AZ, sei der Hinweis in den Briefkasten am
Haus geworfen worden. "Zu spät", erläutert
der mittlerweile vom Hausbewohner beauftragte
Rechtsanwalt Christoph Hinkelmann die gesetzlichen
Fristen. Der Mieter, nach eigenen
Angaben wegen eines schweren Herzkreislaufleidens
Frührentner und einst als leitender Computerfachmann in
Zürich tätig, erhebt Vorwürfe der versuchten
gefährlichen Körperverletzung und Bedrohung. Gegen ihn
sei eine knatternde Motorsäge gerichtet worden.
Körperverletzung ist auch Inhalt der Strafanzeigen der
Gegenseite: Der Kameramann erlitt durch den Schreckschuß
laut ärztlichem Attest ein Knalltrauma auf dem linken
Ohr, der Vermieter einen Schock. Und die Wildwest-Szenen
vor seinem Haus, in denen er mehrere Schüsse auf
Personen richtete, die sich dort angemeldet wähnten?
"Ich bin entgleist", gesteht der Schütze ein.
Und, fast entschuldigend: Hätte er vorher von der Aktion
erfahren - aber so... |
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