Rubrik: Bauernhof      

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Foto: Ein erntereifer Kartoffelacker

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kartoffelroder im Einsatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Maschine müssen von Hand faule Kartoffeln und Steine heraussortiert werden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto oben: Verladevorgang zum Einlagern der Kartoffeln in einer großen Halle

Die herbstliche Kartoffelernte

Von der Kartoffel auf dem Feld zu den Pommes in der Friteuse

Sie interessieren sich nicht für die Inhaltsstoffe von Kartoffeln? Ihnen ist eigentlich ganz egal, wann und wie die Kartoffelsaat gepflanzt wird? Sie wollen nur, dass es schmeckt?

Dann sind Sie hier genau richtig! Wir reden hier kein wirres Zeug sondern zeigen Ihnen, wie die Kartoffeln vom Feld zu Ihnen auf den Küchentisch kommt.


So kommen die Kartoffeln aus der Erde - und der Schmutz gleich mit
Jedes Jahr - so Anfang August auf deutschen Feldern: Zumeist rote Ungetüme bahnen sich ihren Weg durch den grünen Kartoffelacker. Gezogen von noch größeren Treckern holen sie die Kartoffel mittels ausgeklügelter Technik aus dem Boden. Im Kartoffelroder werden zuerst der grobe Schmutz sowie das Kraut von der Kartoffel getrennt und das Grünzeug gleich wieder hinten auf den Acker geworfen. Die Kartoffeln hingegen werden nach oben auf ein Förderband transportiert, wo eifrige Helferlein Steine und andere Gegenstände aus den Kartoffeln heraussortieren. Obwohl die Maschine ihr bestes tut und versucht, bereits im Vorfeld Steine

Auf dem Foto: Trecker samt Anhänger

 

usw. herauszufiltern, gelangen immer wieder mal rätselhafte Stücke in die Hände der Absammler. Alte Eisenteile, Muntionshülsen, Flaschen, lebende Kröten, Schnecken - alles schon da gewesen. Und für Menschen, die ein ganz spezielles Souvenir vom Lande mit nach Hause nehmen möchten, empfehlen wir zwei zusammengewachsene Kartoffeln in jeder beliebigen Form: z.B. Enten, Hunde, Herzen,...
Mit etwas Geduld läßt sich auch soetwas auf jedem Kartoffelacker finden.

Übrigens: Rote Kartoffelroder stammen oft vom Hersteller Grimme (siehe Foto rechts), grün angestrichene Maschinen von der Firma Wühlmaus.

Wir raten aber dringenst davon ab, sich unerlaubt Kartoffeln aus Bauern's Ackerland auszugraben und der Familie als Mittagessen aufzutischen. Denn Sie könnten eine böse Überraschung erleben. Es gibt zwei verschiedene Sorten Kartoffeln, zum einen Speisekartoffeln (die sind ideal zum Kochen) und zum anderen Stärkekartoffeln. Letztere sind gar nicht toll und fallen im Kochtopf einfach auseinander. Also nix mit Kochen. Stärkekartoffeln sind nämlich für einen anderen Zweck gedacht, z.B. zur Herstellung von Tragetaschen oder auch Einweg-Eßbesteck.

Zu Besuch auf dem Kartoffelroder
Wir sind aber immer noch auf dem Kartoffelroder. Nachdem die Kartoffeln also von allem möglichen Zeug befreit worden sind, gelangen sie erstmal in einen großen Sammelbunker auf dem Roder. Ist dieser voll, entleert ihn der Landwirt auf einem großen Anhänger. Wenn Sie mal mit einem Bauern sprechen sollten, der Ihnen sagt: "Ick hebb mi g'rod niege 18-Tonner zugelegt, do krieg ick ordentlich wat ruff!", dann meint er damit die Größe seiner Anhänger. In diesem Fall hat er wohl ziemlich große Kartoffeln, die auch viel Platz benötigen. 16-Tonner-Anhänger sind etwas kleiner, 8-Tonner noch kleiner und sog. "Gummiwagen" wohl mit die kleinsten.

Einigen Großbauern reichen jedoch selbst 18-Tonner nicht aus. Die müssen dann eben zu richtigen LKW's greifen, die ihre Kartoffeln wegfahren. Doch wohin werden die denn gefahren? Da gibt es im groben zwei Möglichkeiten: Der Landwirt lagert die Kartoffeln einige Zeit in einer Halle ein, und verkauft sie erst im Winter oder Frühjahr, um höhere Preise zu erzielen. Allerdings entstehen durch die Lagerhaltung auch Kosten für die Lüftung, denn Kartoffeln fangen bei schlechter Lüftung schnell an zu faulen. Und wenn eine Kartoffel fault, fangen die anderen auch ganz schnell an - und schwupps ist die Ernte dahin!


Abfahrt zur Chipsfabrik
Und Bauern die keine Möglichkeit zur Lagerung haben, die müssen natürlich sehen, daß sie ihre Kartoffeln noch im Herbst loswerden. Große Fabriken warten schon auf die Anlieferung und teilen den Landwirten schriftlich mit, an welchem Tag zu welcher Uhrzeit sie welche Menge Kartoffeln liefern sollen. Doch es ist gar nicht so einfach, diesen Termin immer einzuhalten. Zum einen sind die Fabriken oft sehr weit entfernt, und mit Treckern dauert der Transport oftmals bis zu 2 Stunden oder noch länger. Besser haben es da die Bauern, die per LKW anliefern, mit 80 km/h ist man natürlich schneller am Ziel als mit 40 oder 50.

Übrigens: Sollten Sie mal einen gelben Trecker vor Ihnen sehen, dann ist das ein JCB-Fastrac. Solche Traktoren kriegen locker 60 Sachen drauf und dürfen sogar auf Autobahnen fahren!


In der Kartoffelfabrik
Hat man es aber endlich geschafft und ist am Fabrikgelände angekommen wird es erst richtig spannend! Nachdem der Fahrer des Treckers seine Identifikations-Karte durch ein Lesegerät geschoben hat, muß er bis zu einer Ampel vorfahren und bei Rot anhalten. Nun steht er mit seinem Trecker und meistens zwei großen Anhängern unter einer Art beweglicher Verladekran, wie man ihn aus einem Containerhafen kennt. Nur das anstatt des Greifarmes ein langes, etwa 20cm dickes, hohles Rohr nach unten ragt. In einer Kabine hoch oben über dem "Verladekran" sitzt eine Frau, die das Rohr in alle Richtungen bewegen kann.

Mit dem Rohr wird gleich in die Kartoffeln hineingestochen und so eine Probe der Lieferung genommen. Anhand dieser Probe wird nun u.a. der Schmutzanteil zwischen den Kartoffeln berechnet. Denn alles konnten die fleißigen Leute auf dem Kartoffelroder ja nicht heraussortieren, etwas flutscht immer mit hindurch (vor allem Erdklumpen). Ärgerlich für den Landwirt ist jedoch, daß er für seine Kartoffeln umso weniger Geld bekommt, desto mehr Schmutz er mit anliefert.



Zugestochen!

Wir sind jetzt aber noch beim Probeentnahme-Vorgang: Stellen Sie sich das wie auf dem Jahrmarkt vor, wo sie an einem Greifautomaten Kuscheltiere ergattern können. So düst die Frau mit dem Rohr über den Anhängern hinweg und sucht sich eine Stelle aus - dann drückt sie einen roten Knopf und das Rohr bohrt sich unaufhaltsam nach unten durch die Kartoffeln hindurch. Jetzt freut sich der Landwirt oder er kommt ins Schwitzen. Denn er weiß meistens, wo er die schlechten Kartoffeln mit viel Schmutz auf den Hänger geladen hat, und an welcher Stelle eher die guten liegen. Erwischt die "böse Frau" mit ihrem Gerät gerade eine schlechte Stelle, werden z.B. gleich 13% Schmutzanteil für die ganze Lieferung angerechnet! Und das gibt dicke Abzüge beim Geld.

Selbstverständlich haben gewiefte Bauern auch hier einen Trick parat: Die Frau mit dem "Probe-Greifer" kann natürlich nur dort in den Anhänger stechen, wo kein großes Hinderniss im Weg ist, welches den Stecharm verbiegen könnte. Bei den meisten Anhängern befindet sich jedoch in der Mitte eine eiserne Trennstange. Hat der Landwirt also mal ein paar schlechte Kartoffeln dabei, die lieber nicht in die Probe kommen sollten, lädt er sie in die Mitte seines Anhängers. Dort, wo die Frau nicht hinkommt.


Nachdem die Probe ausgewertet worden ist, fährt der Bauer mit seinem Trecker samt Anhängern schon einmal zur Abkipprampe vor. Bevor er seine Fracht aber endgültig loswerden kann, heißt es noch einmal richtig zittern. Auf einem großen Monitor erscheinen verschiedene Identifikations-Nummern; neben den von anderen Anlieferern auch die eigene. Nun wartet der Bauer, bis seine Nummer angezeigt wird und schaut auf die nebenstehende Spalte. Dort erscheint jetzt entweder "angenommen" oder "abgelehnt".

 

Bei "abgelehnt" war die zuvor genommene Probe so schlecht, daß der Bauer mitsamt seinen Kartoffeln wieder nach Hause fahren muß - die Fabrik will seine so schlechten Kartoffeln einfach nicht haben. Erscheint hingegen "angenommen", fährt der Landwirt auf die Abkipprampe und kippt seine Kartoffeln in eine tiefe Grube. Das war's für den Landwirt dann eigentlich schon. An der Ausfahrt zieht er noch einmal seine Karte durch ein Lesegerät und erhält sofort einen Papierausdruck mit allen wichtigen Daten, wie z.B. der angelieferten Menge und dem prozentualen Schmutzanteil.

In der Fabrik werden jetzt die unterschiedlichsten Produkte aus den Kartoffeln gemacht. Z.B. Kartoffelpüree, Kartoffelchips, schonend vorgegarte Kartoffelscheiben, Kartoffelknödel, ...

Weitere Informationen erhalten Sie z.B. bei:
Grimme Landmaschinen
Wühlmaus Kartoffelroder
Emsland-Stärke-Fabrik
Pfanni
Avebe Stärkefabrik (Englisch)